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20/10/2026Ein KI-Modell von Anthropic hat in weniger als 30 Minuten ein Rätsel gelöst, an dem Kryptografie-Experten seit 25 Jahren arbeiten. Claude verfolgte mysteriöse Zahlen aus Sicherheitsstandards der NSA zurück zu einem gewöhnlichen Zufallsgenerator aus den 1990er Jahren. Die Entdeckung beendet jahrzehntelange Spekulationen über eine mögliche Hintertür in wichtigen Verschlüsselungssystemen.
Warum die NSA-Zahlen verdächtig waren
Die umstrittenen NIST-Kurven
Im Jahr 2000 veröffentlichte das US-amerikanische National Institute of Standards and Technology (NIST) eine Reihe elliptischer Kurven für Kryptografie. Diese mathematischen Strukturen bilden die Grundlage für digitale Signaturen, die heute in TLS-Zertifikaten, sicheren Nachrichten, Code-Signierung und Kryptowährungs-Wallets zum Einsatz kommen. Die NSA lieferte damals die sogenannten Seeds , Ausgangszahlen für die Kurven P-192, P-224, P-256, P-384 und P-521 , ohne zu erklären, wie diese ausgewählt wurden.
Misstrauen nach dem Dual_EC_DRBG-Skandal
Das Misstrauen wuchs nach den Snowden-Enthüllungen 2013. Die NSA hatte nachweislich eine Hintertür in den Dual_EC_DRBG-Zufallsgenerator eingebaut. Jerry Solinas von der NSA erklärte 2014 in E-Mails, die Seeds stammten aus dem Hashing einer humorvollen englischen Nachricht, konnte sich aber weder an die genaue Nachricht noch an das verwendete Verfahren erinnern. Kryptografen Neal Koblitz und Alfred Menezes dokumentierten die Kontroverse 2015 in ihrem Aufsatz “A Riddle Wrapped in an Enigma”.

Wie Claude das Rätsel löste
Die Methode des KI-Modells
Philippo Valsorda hatte 2023 ein Preisgeld für die Aufklärung der Herkunft der NIST-Seeds ausgesetzt. Am 16. Oktober 2026 veröffentlichten Forscher von Anthropic ihre Lösung: Claude hatte die fünf Seeds auf lrand48 zurückgeführt, einen einfachen Pseudozufallsgenerator aus C-Programmbibliotheken der 1990er Jahre. Das Modell benötigte dafür weniger als 30 Minuten.
Zeitstempel statt geheimer Botschaft
Die Seeds wurden nicht aus einer Phrase generiert, wie Solinas sich erinnerte, sondern aus Zeitstempeln von 1997 und 1998. Die Forscher konnten das Verfahren nachvollziehbar rekonstruieren. Valsorda bestätigte die Ergebnisse und vergab das Preisgeld. Die Entdeckung zeigt, dass Solinas die Seeds in gutem Glauben erstellt hatte, seine Erinnerung über die Jahre aber verblasst war.
| Kurve | Bits | Veröffentlicht | Verwendung |
|---|---|---|---|
| P-192 | 192 | 2000 | Ältere Systeme |
| P-256 | 256 | 2000 | TLS, WebAuthn |
| P-384 | 384 | 2000 | Hochsicherheit |
| P-521 | 521 | 2000 | Spezialanwendungen |
Was das für Nutzer bedeutet
Keine Hintertür gefunden
Die Analyse zeigt, dass die NIST-Kurven wahrscheinlich keine versteckte Schwachstelle enthalten. Systeme, die P-256 oder andere NIST-Kurven verwenden, müssen nicht aktualisiert werden. Die Kurven stecken in Hardware, Protokollen und Zertifikaten im gesamten Internet. Valsorda empfiehlt NIST-Kurven mittlerweile sogar gegenüber Curve25519/Ed25519/X25519.
Das Ökosystem hatte bereits reagiert
Viele moderne Systeme hatten sich aus Vorsicht bereits für Alternativen entschieden. TLS 1.3 bevorzugt häufig X25519 für Schlüsselaustausch, Signal und WireGuard standardisierten Curve25519-Designs. Bitcoin nutzt secp256k1, eine andere Kurve. Diese Diversifizierung bleibt sinnvoll, unabhängig vom Urteil über P-256. Die Kurven bleiben aber in Passkeys, WebAuthn, sicheren Enklaven und Regierungssystemen im Einsatz.
Praktische Anwendungen der Entdeckung
Für Sicherheitsverantwortliche
Auditoren können einen 20 Jahre alten Vorbehalt aus ihren Berichten streichen. Organisationen, die NIST-Kurven aus Backdoor-Sorgen gemieden haben, können ihre Entscheidung überprüfen. Die Rekonstruktion ist nachprüfbar , jeder mit den Dokumenten und der Mathematik kann sie wiederholen. Diese Verifizierbarkeit, nicht Autorität, schafft Vertrauen in der Kryptografie.
Grenzen der KI-Analyse
Claude löste ein mathematisches Rätsel, keine Sicherheitslücke. Das Modell fand die Herkunft der Seeds, bewies aber nicht die Abwesenheit anderer Schwachstellen. Kryptografische Sicherheit hängt von formalen Beweisen und jahrelanger Prüfung ab, nicht von einzelnen Durchbrüchen. Die NSA könnte theoretisch andere Parameter manipuliert haben. Anthropic betont, dass KI-Systeme Werkzeuge für Forscher sind, keine Ersatz für menschliche Expertise in der Sicherheitsanalyse.
Quellen
- Cloud of suspicion lifted from NIST curves
- Anthropic’s Claude cracks a 25-year NSA curve mystery, what it means for bitcoin
- NIST Curves Backdoor Theory Faces Fresh Evidence | Tech
- Claude cracks 25-year NSA cryptography mystery in under 30 minutes
- What does it mean that Claude cracked the NSA's elliptic curve seed puzzle in half an hour?




